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Holzarten bestimmen: Merkmale und Grundlagen

Holz ist der traditionsreichste Werkstoff im Schreinerhandwerk – und zugleich einer der vielseitigsten. Wer die wichtigsten Erkennungsmerkmale kennt, kann Material gezielt auswählen und richtig verarbeiten, statt sich allein auf das Etikett des Händlers zu verlassen.

Holzbestimmung: So lassen sich Holzarten unterscheiden

Farbe, Struktur, Härte und Geruch sind die wichtigsten Erkennungsmerkmale – sowohl für die Holzauswahl als auch für die Qualitätsprüfung im Werkstattalltag.

1. Farbe und Farbgruppen

Holzfarben reichen von fast weiß bis tiefschwarz. Bei Kernholzbäumen ist dabei die Farbe des Kernholzes ausschlaggebend. Grob lassen sich fünf Gruppen unterscheiden:

FarbgruppeBeispiele
WeißlichAhorn, Birke, Linde, Hainbuche, Pappel, Tanne
GelblichFichte, Esche, Douglasie
RötlichKirschbaum, Erle, Lärche, Kiefer
BräunlichEiche, Buche, Nussbaum, Ulme
Dunkel bis schwärzlichMooreiche, Wenge, Ebenholz

Hinweis: Die Holzfarbe verändert sich mit der Zeit – UV-Strahlung lässt viele Hölzer nachdunkeln.

2. Kern-, Splint- und Kernreifholz

Die innere Struktur des Stammquerschnitts gibt Aufschluss über den Holzaufbau und beeinflusst Zuschnitt wie Oberflächenbehandlung:

Typ

Splintholzbäume (einfarbig)

Beispiele
Ahorn, Birke, Erle
Merkmal
Kein Farbunterschied zwischen äußerem Splint und innerem Holzkörper.

Typ

Kernholzbäume (zweifarbig)

Beispiele
Eiche, Lärche, Kiefer, Nussbaum
Merkmal
Deutlicher Farbunterschied zwischen hellem Splint und dunklerem Farbkern.

Typ

Kernreifholzbäume

Beispiele
Ulme (Rüster), Buche, Fichte
Merkmal
Drei erkennbare Zonen (Splint – Reifholz – Kern); der Übergang ist fließender als bei echten Kernholzbäumen.

3. Jahresringe und Maserung

Die Jahresringe zeigen das Wachstum des Baumes: Eiche, Esche, Lärche und Kiefer bilden deutliche, kontrastreiche Ringe, während sie bei Birke, Erle und Birnbaum kaum sichtbar sind. Entsprechend variiert auch die Maserung im Längsschnitt – von stark gezeichnet (Eiche, Esche, Lärche) über zart (Ahorn, Kirschbaum, Buche) bis kaum erkennbar (Erle, Birnbaum).

4. Porenstruktur

Die Verteilung der Gefäße (Poren) prägt das Erscheinungsbild und die Oberflächenwirkung von Laubhölzern:

Porentyp

Ringporig

Beispiele
Eiche, Esche, Ulme
Beschreibung
Grobe Poren konzentriert im Frühholzring – markante, rustikale Maserung.

Porentyp

Zerstreutporig

Beispiele
Buche, Birke, Ahorn
Beschreibung
Poren gleichmäßig über den Jahresring verteilt – feine, ruhige Zeichnung.

Porentyp

Ohne echte Poren (Nadelhölzer)

Beispiele
Fichte, Tanne, Kiefer
Beschreibung
Nadelhölzer besitzen keine Gefäße (Poren) im botanischen Sinn, sondern Tracheiden – im Sprachgebrauch oft vereinfachend „porenlos“ genannt.

Fachwissen: Ringporige Hölzer wirken markanter und sind besonders beliebt für rustikale oder klassische Möbel.

5. Härte und Dichte (nach Brinell)

Die Härte eines Holzes wird nach der Brinell-Methode (HB) gemessen und gibt an, wie widerstandsfähig das Material gegen Eindrücken ist. Grundsätzlich gilt: Je dichter das Holz, desto höher meist auch die Festigkeit.

Härtegrad

Weichholz

Beispiele
Fichte, Kiefer, Lärche, Linde
Brinellhärte (quer zur Faser)
< 25 N/mm² (Brinellhärte, Faserrichtung quer)

Härtegrad

Mittelhart

Beispiele
Ahorn, Birke, Kirschbaum
Brinellhärte (quer zur Faser)
ca. 25–35 N/mm²

Härtegrad

Hartholz

Beispiele
Eiche, Esche, Buche, Nussbaum, Hainbuche
Brinellhärte (quer zur Faser)
> 35 N/mm²

6. Gewicht und Rohdichte

Die Rohdichte beeinflusst sowohl die Bearbeitung als auch das Einsatzgebiet. Angegeben bei etwa 12–15 % Holzfeuchte (also im lufttrockenen, praxisüblichen Zustand):

Gewichtsklasse

Leicht

Rohdichte
< 0,43 g/cm³
Beispiele
Balsaholz (tropisch) – unter den heimischen Nutzhölzern kaum unterschritten

Gewichtsklasse

Mittelschwer

Rohdichte
0,43–0,72 g/cm³
Beispiele
Fichte, Tanne, Ahorn, Birke, Kiefer

Gewichtsklasse

Schwer

Rohdichte
0,72–1,00 g/cm³
Beispiele
Eiche, Esche, Buche, Hainbuche

Gewichtsklasse

Sehr schwer

Rohdichte
> 1,00 g/cm³
Beispiele
Pockholz, Ebenholz

Fichte und Tanne liegen mit rund 0,46–0,48 g/cm³ trotz ihres Rufs als „leichtes“ Bauholz bereits in der Klasse „mittelschwer“ – echte Leichthölzer unter 0,43 g/cm³ sind unter den in Mitteleuropa gängigen Nutzhölzern die Ausnahme.

7. Geruch und Harzgehalt

Viele Holzarten haben einen charakteristischen Eigengeruch: harzig bei Fichte, Kiefer und Lärche, säuerlich bei Tanne, gerbsäurehaltig bei Eiche, süßlich bei Rosenholz und Palisander, eher unangenehm-feucht bei frisch aufgeschnittenem Nussbaum und Ulme. Nadelhölzer wie Fichte und Kiefer besitzen zudem sichtbare Harzgänge, die beim Bearbeiten austreten können.

Geeignete Holzarten für den Möbelbau

Im Möbelbau kommen sowohl Nadel- als auch Laubhölzer zum Einsatz – die Wahl hängt von Optik, Härte, Bearbeitbarkeit und Preis ab. Ausführliche Steckbriefe zu jeder Holzart finden sich im Holzarten-Lexikon.

Holzart

Eiche

Farbe & Optik
hellbraun, markante Poren
Härte
hart
Typische Verwendung
Möbel, Parkett, Küchenfronten

Holzart

Buche

Farbe & Optik
rötlich-blass, gleichmäßig
Härte
hart
Typische Verwendung
Stühle, Tische, Innenausbau

Holzart

Ahorn

Farbe & Optik
hell, feinporig
Härte
mittel
Typische Verwendung
Arbeitsplatten, Fronten

Holzart

Nussbaum

Farbe & Optik
dunkelbraun, elegant
Härte
hart
Typische Verwendung
Designmöbel, Furniere

Holzart

Kiefer

Farbe & Optik
gelblich, astreich
Härte
weich
Typische Verwendung
Landhausmöbel, Türen

Holzart

Esche

Farbe & Optik
hell, lebhafte Maserung
Härte
hart
Typische Verwendung
Möbel, Sportgeräte

Holzart

Birke

Farbe & Optik
hell, gleichmäßig
Härte
mittel
Typische Verwendung
Sperrholz, Schränke

Holzart

Lärche

Farbe & Optik
rötlich, harzhaltig
Härte
mittelhart
Typische Verwendung
Fenster, rustikale Möbel

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum ändert Holz nach dem Zuschnitt seine Farbe?

UV-Strahlung und Sauerstoff verändern die Farbstoffe im Holz auch nach der Verarbeitung weiter – die meisten Hölzer dunkeln über Monate bis Jahre nach, manche (z. B. Kirschbaum) deutlich sichtbar, andere kaum merklich.

Was bedeutet FSC- oder PEFC-Zertifizierung beim Holzeinkauf?

Beide Siegel bestätigen, dass das Holz aus nachweislich nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) prüfen dafür unabhängig die gesamte Lieferkette vom Wald bis zum Sägewerk.

Welche Holzfeuchte sollte Massivholz beim Verarbeiten haben?

Für den Innenausbau und Möbelbau hat sich ein Bereich von etwa 8–12 % Holzfeuchte etabliert, angepasst an die spätere Raumklimasituation. Wie stark sich Holz bei Feuchteänderungen noch bewegt, lässt sich mit dem Quell- und Schwundrechner für die jeweilige Holzart abschätzen.

Ist ringporiges Holz stabiler als zerstreutporiges?

Nicht grundsätzlich – die Porenverteilung beeinflusst vor allem die Optik und Oberflächenwirkung. Stabilität und Härte hängen stärker von Dichte und Zellwandstruktur der jeweiligen Holzart ab als von der reinen Porenverteilung.

Fazit

Die Kenntnis über Holzarten und ihre Eigenschaften ist ein zentraler Bestandteil im Schreinerhandwerk. Wer weiß, wie man Holz anhand von Farbe, Poren, Härte und Dichte richtig bestimmt und auswählt, kann langlebige, formstabile und ästhetisch ansprechende Möbel herstellen – die Materialkunde ist damit nicht nur theoretisches Wissen, sondern die Grundlage für präzises Handwerk.