Palisander ist die „Ikone der Edelhölzer“. Seit Jahrhunderten ist es der Inbegriff für wertvollste Möbel, feinste Musikinstrumente und luxuriöse Accessoires. Seine extreme Härte, die dunkle, oft violett-schwarze Maserung und die hervorragenden Klangeigenschaften machen es zu einem der begehrtesten und gleichzeitig am strengsten geschützten Hölzer der Erde.
Herkunft
Die Gattung Dalbergia umfasst viele Arten, die sich in Optik und Wert stark unterscheiden:
- Rio-Palisander (Dalbergia nigra): Der „König“. Er stammt aus Brasilien und gilt als die wertvollste Art. Seit 1992 unterliegt er dem strengsten Schutzstatus (CITES Anhang I). Handel ist nur mit antiken Zertifikaten möglich.
- Indischer Palisander (Dalbergia latifolia): Die heute wichtigste Handelsart. Er ist etwas dunkler, meist tiefviolett bis braun und wird nachhaltig auf Plantagen angebaut.
- Ostindischer Palisander / Sonokeling: Oft die Bezeichnung für indische Plantagenware, die im Instrumentenbau Standard ist.
- Artenschutz-Hinweis: Seit 2017 stehen alle Arten der Gattung Dalbergia unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES Anhang II). Für den gewerblichen Handel sind Dokumente zwingend erforderlich.
Holzbild
- Farbe:
- Splintholz: Schmal und hellgelb bis weißlich (wird meist nicht verwendet).
- Kernholz: Das Spektrum reicht von schokoladenbraun über violett-schwarz bis hin zu rötlichen Tönen. Typisch sind dunkle, fast schwarze Farbstreifen („Adern“).
- Jahrringe: Durch dunkle Zonen deutlich voneinander abgegrenzt, was zu einer sehr lebhaften, oft wolkigen oder gestreiften Zeichnung führt.
- Poren: Zerstreutporig, mittelgroß bis grob. Die Poren sind oft mit dunklen Inhaltsstoffen gefüllt.
- Besonderheiten: Das Holz besitzt einen natürlichen Fettgehalt, der für einen matten Glanz und eine sehr glatte Haptik sorgt.
Eigenschaften
Palisander ist extrem hart, schwer, dicht und sehr elastisch.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit: Sehr dauerhaft (Klasse 1). Es ist nahezu immun gegen Pilz- und Insektenbefall. Aufgrund des Wertes wird es jedoch nie im Außenbau verwendet.
Bearbeitung
- Anspruchsvoll: Wegen der großen Härte und des Fettgehalts ist die Bearbeitung schwierig. Werkzeuge stumpfen schnell ab.
- Verleimung: Der natürliche Ölgehalt kann die Verleimung erschweren. Die Flächen sollten vorher mit Aceton entfettet werden.
- Oberflächen: Lässt sich hervorragend polieren. Lackierungen sind aufgrund der Öle manchmal tückisch; Öle und Wachse bringen die Farbe am besten zur Geltung.
- Trocknung: Trocknet sehr langsam. Es besteht die Gefahr der Rissbildung bei zu schneller Trocknung.
Geruch: Beim Bearbeiten verströmt Palisander einen charakteristischen, süßlich-blumigen Duft, der ihm den Namen „Rosenholz“ einbrachte.
Verwendung
Aufgrund seines extremen Preises wird Palisander nur für exklusivste Zwecke genutzt:
- Musikinstrumente: Das ultimative Holz für Gitarrengriffbretter, Stege sowie Boden und Zargen von Akustikgitarren. Auch für hochwertige Blockflöten und Xylophon-Klangstäbe.
- Luxusmöbel: Furniere für hochwertige Sideboards (besonders im Mid-Century-Design der 60er Jahre beliebt) und Intarsien.
- Schmuck & Accessoires: Messergriffe, Schreibgeräte, Uhrengehäuse und Billardqueues.
- Kunsthandwerk: Bildhauerarbeiten und hochwertige Drechslerobjekte.
Besonderheiten
- Rechtliche Lage: Beim Kauf von Palisander-Produkten (besonders bei Musikinstrumenten) sollten Sie immer die CITES-Dokumente aufbewahren. Bei Reisen mit Instrumenten aus Rio-Palisander ist Vorsicht geboten.
- Allergien: Der Holzstaub kann bei manchen Menschen Kontaktallergien auslösen. Staubschutz ist hier doppelt wichtig.
Praxistipps
Palisander ist ein sehr sprödes Holz. Verwenden Sie beim Schneiden von Furnieren oder dünnen Leisten immer eine Zulage, um Splittern zu vermeiden.
Technische Daten
| Rohdichte (12-15%) | 0,75–0,90 g/cm³ |
|---|---|
| Druckfestigkeit | 60–75N/mm² |
| Biegefestigkeit | 110–140 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 11.000–15.000 N/mm² |
| Härte (Brinell) | 30–37 N/mm² |
| Dauerhaftigkeit | Klasse 1 |
Fazit
Palisander ist das „Gold der Wälder“. Es fordert vom Handwerker Respekt vor dem Material und Geschick in der Bearbeitung. Wer sich jedoch auf dieses Holz einlässt, wird mit einer optischen Tiefe und einem Klangreichtum belohnt, den kein anderes Holz der Welt in dieser Form bietet.
