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Kantenanleimmaschine

Bohr-, Schleif- und Kantentechnik· DIN EN ISO 19085
KantenanleimerBügelanleimtechnik

Die Schnittkante von Spanplatte, MDF oder Multiplex bleibt ohne Behandlung nicht nur sichtbar, sondern auch angreifbar für Feuchtigkeit und Stöße. Die Kantenanleimmaschine schließt diese Kante durchlaufend mit Kantenband oder einer dünnen Massivholzleiste – von der einfachen Handmaschine für Einzelstücke bis zur vollautomatischen Durchlaufanlage mit mehreren Bearbeitungsstationen.

Aufbau

Das Werkstück durchläuft die Maschine auf einem Förderband entlang mehrerer Stationen: Zunächst wird Klebstoff (meist EVA- oder PUR-Schmelzkleber) aufgetragen, dann das Kantenband angepresst und angeschnitten. Nachgeschaltete Aggregate übernehmen das Besäumen von Über- und Unterstand, das Bündigfräsen der Stirnkanten, gegebenenfalls das Radiusfräsen an Ecken sowie das Polieren der fertigen Kante. Einfache Handanleimgeräte reduzieren diesen Ablauf auf einen manuell geführten Klebe- und Andrückschritt, die Nachbearbeitung erfolgt dann separat von Hand.

Eigenschaften

  • PUR-Klebstoffe ergeben eine praktisch unsichtbare, wasserfeste Klebefuge und sind Standard bei Küchen- und Feuchtraummöbeln; EVA-Klebstoffe sind günstiger, zeigen aber bei Feuchtigkeit und Wärme eher eine sichtbare Klebefuge.
  • Die Vorschubgeschwindigkeit muss zur gewählten Klebstoffart passen – zu schnelle Verarbeitung lässt dem Klebstoff keine Zeit zum Anbinden, zu langsame Verarbeitung kann ihn vorzeitig aushärten lassen.
  • Massivholzkanten wirken hochwertiger und lassen sich anders als Kunststoffband nachträglich profilieren, sind aber empfindlicher gegenüber Ausrissen beim Bündigfräsen.
  • Eine saubere Bündigfräsung verhindert überstehende Kantenreste, an denen sich später Feuchtigkeit und Schmutz festsetzen können.

Verwendung

  • Kantenschutz an Korpusteilen, Böden und Türen aus Spanplatte oder MDF
  • Feuchtraumtaugliche Kanten mit PUR-Kleber für Küchen- und Badmöbel
  • Massivholzkanten als optische Aufwertung sichtbarer Plattenkanten
  • Radiuskanten an gerundeten Ecken von Tischplatten und Frontelementen

Verarbeitung

  • Kantenmaterial und Werkstück vor der Verarbeitung auf Raumtemperatur klimatisieren – kalte Platten führen zu schlechter Klebstoffhaftung.
  • Klebstofftemperatur laut Herstellerangabe exakt einhalten; sowohl Über- als auch Unterschreitung verschlechtert die Verbindung sichtbar.
  • Nach dem Anleimen ausreichend Abkühlzeit vor dem Bündigfräsen einplanen, damit der Klebstoff vollständig abgebunden hat.
  • Bei Massivholzkanten die Maserungsrichtung passend zur sichtbaren Fläche auswählen, um einen einheitlichen Gesamteindruck zu erzielen.

Technische Daten

Vorschubgeschwindigkeitca. 6–20 m/min
Kantenbanddicke0,4–3 mm (Kunststoff), 8–15 mm (Massivholz)
KlebstoffartenEVA (Standard), PUR (feuchtebeständig, unsichtbare Fuge)
Verarbeitungstemperatur EVAca. 180–210 °C
NachbearbeitungBündigfräsen, Besäumen, Radiusfräsen, Polieren

Fazit

Die Kantenanleimung ist oft der letzte sichtbare Verarbeitungsschritt an einer Plattenkante – die Wahl zwischen EVA- und PUR-Kleber sollte sich dabei klar am späteren Einsatzort (trocken oder feucht) orientieren, nicht allein am Preis.