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Tisch- und Oberfräse

Hobel- und Frästechnik· DIN EN ISO 19085-6
TischfräsmaschineKantenfräseHandoberfräse

Fräsen formt Profile, Nuten, Falze und Verbindungen, die weder Säge noch Hobel erzeugen können. In der Werkstatt begegnen sich dabei zwei grundlegend verschiedene Bauformen: die stationäre Tischfräse mit feststehender Spindel und geführtem Werkstück sowie die handgeführte Oberfräse, die über das feststehende Werkstück bewegt wird.

Aufbau

Bei der Tischfräse ragt die senkrecht stehende, meist höhen- und bei manchen Modellen auch neigungsverstellbare Frässpindel durch den Maschinentisch. Ein Frässchutz mit Vorschubapparat (motorisch angetriebene Andruckrollen) führt das Werkstück kontrolliert am Werkzeug vorbei und ersetzt dabei die Handführung an der gefährlichsten Stelle. Die Handoberfräse dagegen trägt ihr Werkzeug in einer senkrecht verstellbaren Frässpindel innerhalb eines auf dem Werkstück gleitenden Fußes; Kopierhülsen, Parallelanschläge oder Frästische mit Anschlagsystem führen sie beim Arbeiten.

Eigenschaften

  • Die Drehzahl muss zum Werkzeugdurchmesser passen: Je größer der Fräserdurchmesser, desto niedriger die zulässige Drehzahl, um die Schnittgeschwindigkeit am Umfang in einem sicheren Bereich zu halten.
  • Fräswerkzeuge nach DIN EN 847-1 sind für eine maximale Drehzahl ausgelegt, die auf dem Werkzeug selbst angegeben ist – diese darf an keiner Maschine überschritten werden.
  • An der Tischfräse zählen Rückschlag und Werkzeugkontakt laut berufsgenossenschaftlicher Unfallstatistik zu den häufigsten schweren Handverletzungen im Schreinerhandwerk – ein montierter Vorschubapparat reduziert dieses Risiko erheblich.
  • Fräser mit Gegenlaufschneide oder Vorschneider verringern Ausrisse an Querholz und beschichteten Kanten.

Verwendung

  • Nut- und Federverbindungen, Falze für Rückwände und Böden
  • Profilieren von Kanten, Gesimsen und Zierleisten
  • Formatgenaues Bündigfräsen mit Kopierring oder Anlaufring an Schablonen
  • Fräsen von Schlossnischen, Beschlagaussparungen und Kabeldurchführungen mit der Oberfräse

Verarbeitung

  • An der Tischfräse wo immer möglich einen Vorschubapparat oder zumindest Druckstücke und Schiebehölzer statt der bloßen Hand einsetzen.
  • Werkzeugdurchmesser und Drehzahl immer gegeneinander prüfen – im Zweifel die niedrigere verfügbare Drehzahlstufe wählen.
  • An der Oberfräse in mehreren flachen Zustellungen statt in einem tiefen Zug fräsen, besonders bei hartem oder astigem Holz.
  • Frässchablonen und Anschläge so gestalten, dass die Hände während des gesamten Frästakts nie in die unmittelbare Werkzeugnähe geraten.

Technische Daten

Spindeldrehzahlca. 6.000–24.000 U/min
Werkzeugaufnahmemeist 30 mm (stationär), 8/12 mm Spannzange (Oberfräse)
Sicherheitsnorm stationärDIN EN ISO 19085-6 (Tischfräsmaschinen)
WerkzeugnormDIN EN 847-1 (Fräswerkzeuge)
Fräshub Oberfräseca. 40–80 mm

Fazit

Fräsen eröffnet gestalterisch die meisten Möglichkeiten aller Werkstattmaschinen – verlangt aber auch die größte Disziplin bei Schutzeinrichtungen und Vorschubtechnik, da Werkzeug und Werkstück hier am direktesten aufeinandertreffen.