Schellack ist ein Naturharz, das aus den Ausscheidungen der weiblichen Lackschildlaus (Kerria lacca) gewonnen wird, die auf bestimmten Bäumen in Süd- und Südostasien lebt. In Spiritus (Ethanol) gelöst und mit einem mit Watte gefüllten Polierballen in unzähligen hauchdünnen Schichten aufgetragen, ergibt es die klassische Schellackpolitur – über Jahrhunderte die Standardoberfläche für hochwertige Möbel, bevor moderne Lacke sie im Alltag weitgehend ablösten.
Zusammensetzung
Das Rohharz wird gereinigt, gebleicht oder naturbelassen in Flocken oder Plättchen gehandelt und vor Gebrauch in Spiritus aufgelöst. Da Schellack in Alkohol löslich bleibt, lösen sich neue Politurschichten beim Auftragen leicht in den bereits aufgetragenen, angetrockneten Schichten an – dieser Effekt ist die Grundlage der Polierballen-Technik.
Eigenschaften
- Die Schellackpolitur entsteht in drei Arbeitsschritten: Porenfüllen (oft mit Bimsmehl), Schichtaufbau über viele Ballen-Durchgänge und abschließendes Auspolieren zu Hochglanz.
- Ergibt einen warmen, tiefen Glanz mit einer für Naturharze typischen, leicht honigfarbenen bis bernsteinfarbenen Tönung, je nach Reinheitsgrad des verwendeten Schellacks.
- Empfindlich gegenüber Wasser, Alkohol und Wärme – Wasserflecken, Glasringe und heiße Gegenstände können die Oberfläche sichtbar beschädigen.
- Lässt sich im Gegensatz zu modernen Lacken unkompliziert reparieren, da neuer Schellack die beschädigte Stelle einfach anlöst und nahtlos integriert.
Verwendung
- Restaurierung antiker und historischer Möbel im Originalzustand
- Hochwertige Einzelanfertigungen mit Anspruch an traditionelle Handwerkskunst
- Musikinstrumente (klassische Klavier- und Streichinstrumentenpolitur)
- Grundierung und Isolierschicht unter anderen Anstrichen, um harzende Hölzer oder Farbausblutungen abzuschirmen
Verarbeitung
- Polierballen aus Watte oder Wollresten formen, mit Schellack tränken und gut ausdrücken, damit er nicht tropft.
- In kreisenden, liegende-Acht-förmigen Bewegungen über die Fläche führen, dabei kontinuierlich Druck und Bewegung halten, um Abrisse in der Politur zu vermeiden.
- Für das Porenfüllen Bimsmehl auf die Fläche streuen und mit dem Ballen quer zur Faserrichtung einarbeiten.
- Zwischen den Sitzungen aushärten lassen und final mit wenig Spiritus und sehr leichtem Druck auspolieren, um den charakteristischen Hochglanz zu erzielen.
Technische Daten
| Herkunft | Ausscheidung der Lackschildlaus (Kerria lacca), Naturharz |
|---|---|
| Lösemittel | Ethanol (Spiritus) |
| Auftragsmethode | Polierballen in kreisenden bzw. liegende-Acht-Bewegungen |
| Trockenzeit | sehr schnell (Minuten), viele dünne Schichten nötig |
| Beständigkeit | empfindlich gegen Wasser, Alkohol und Wärme |
Fazit
Schellack bleibt die erste Wahl für die authentische Restaurierung historischer Möbel und für Handwerker, die die traditionelle Politurtechnik beherrschen wollen. Für den Alltagsgebrauch mit Kontakt zu Wasser, Alkohol oder Wärme sind moderne, widerstandsfähigere Lacke wie DD-Lack die praktischere Alternative.