Wasserlack (Acryl- oder Wasserbasislack) ersetzt die organischen Lösemittel klassischer Lacke durch Wasser als Trägermedium für das Lackharz. Das senkt die Emission flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) erheblich und macht die Verarbeitung deutlich geruchsärmer – ein wichtiger Grund, warum Wasserlacke in den letzten Jahren viele lösemittelbasierte Produkte im Innenbereich verdrängt haben.
Zusammensetzung
Das eigentliche Lackharz (meist Acrylat, Polyurethan-Dispersion oder eine Kombination) liegt fein verteilt (dispergiert) in Wasser vor, statt darin gelöst zu sein wie bei klassischen Lösemittellacken. Beim Trocknen verdunstet zunächst das Wasser, anschließend verschmelzen die Harzpartikel zu einem geschlossenen Film – ein Prozess, der empfindlicher auf Temperatur und Luftfeuchte reagiert als bei lösemittelbasierten Systemen.
Eigenschaften
- Deutlich geringere Emission organischer Lösemittel während der Verarbeitung – spürbar angenehmer beim Arbeiten in Innenräumen.
- Neigt kaum zur Vergilbung, wodurch helle und weiß pigmentierte Oberflächen langfristig heller bleiben als bei lösemittelbasierten Lacken.
- Reagiert empfindlicher auf Verarbeitungstemperatur und Luftfeuchtigkeit als klassische Lacke – zu kalte oder zu feuchte Bedingungen verzögern die Filmbildung erheblich.
- Die Wasserbasis lässt Holzfasern leichter aufquellen (Faseraufstellung), weshalb vor dem ersten Farbanstrich oft ein leichtes Anschleifen nach der ersten Schicht nötig ist.
Verwendung
- Kindermöbel und Spielzeug, wo emissionsarme Oberflächen besonders gefragt sind
- Weiß und hell pigmentierte Möbelfronten, die nicht vergilben sollen
- Innenausbau in bewohnten oder wenig belüfteten Räumen
- Werkstätten mit strengen Auflagen zu Lösemittelemissionen
Verarbeitung
- Verarbeitungstemperatur und Luftfeuchte im vom Hersteller empfohlenen Bereich halten (meist über 15 °C, mäßige Luftfeuchte), da die Filmbildung sonst unvollständig bleibt.
- Nach der ersten Schicht die aufgestellten Holzfasern fein anschleifen, bevor die Deckschicht aufgetragen wird, um eine glatte Endoberfläche zu erhalten.
- Werkzeuge lassen sich direkt nach der Verarbeitung mit Wasser reinigen, solange der Lack noch nicht angetrocknet ist – ein praktischer Vorteil gegenüber lösemittelbasierten Systemen.
- Mehrere dünne Schichten liefern ein gleichmäßigeres Ergebnis als eine dicke Schicht, die zu Läufern oder ungleichmäßiger Trocknung neigt.
Technische Daten
| Lösemittel | Wasser statt organischer Lösemittel |
|---|---|
| VOC-Gehalt | deutlich niedriger als bei lösemittelbasierten Lacken |
| Trockenzeit | ca. 2–4 Std. pro Schicht (staubtrocken) |
| Vergilbung | gering, bleibt lange klar und hell |
| Geruch | deutlich geringer als bei Nitro- oder DD-Lack |
Fazit
Wasserlack ist für die meisten Innenraumanwendungen die emissionsärmere und mittlerweile qualitativ gleichwertige Alternative zu klassischen Lösemittellacken. Wo maximale chemische Beständigkeit gefragt ist (stark beanspruchte Arbeitsplatten, Außenanwendungen), bleibt DD-Lack beziehungsweise Bootslack die robustere Wahl.