Die Hartfaserplatte (HB, „hardboard") wird im Nassverfahren hergestellt: der Faserbrei wird auf ein Sieb gegossen, entwässert und unter Hitze verdichtet. Weil sich die Holzfasern dabei überwiegend durch das holzeigene Lignin verbinden, kommt sie mit wenig oder keinem zusätzlichen Bindemittel aus. Das verrät die typische glatt/genarbte Oberfläche: die Siebseite bleibt gemustert.
Aufbau
Dünne, hoch verdichtete Faserplatte ohne Schichtaufbau. Standardtyp für den Trockenbereich; feuchtebeständige und ölgehärtete Ausführungen sind erhältlich, im Möbelbau aber selten. Für glatte, beidseitig nutzbare Dünnplatten wird heute meist die im Trockenverfahren gefertigte HDF verwendet.
Eigenschaften
- Günstig und in großen Formaten verfügbar.
- Biegesteif bei sehr geringer Dicke.
- Eine Sichtseite (glatt), die Siebseite ist genarbt und wird nach innen verbaut.
- Feuchteempfindlich (Standardtyp) – quillt und wellt sich bei Nässe stark.
- Kanten sind sauber, aber zu dünn für jede Verschraubung.
- Klimatisierung vor der Montage sinnvoll, sonst „arbeitet" die Rückwand im Korpus.
Verwendung
- Möbelrückwände (in Nut oder aufgenagelt/getackert)
- Schubkasten- und Sortimentskastenböden
- Hinterfüllungen, Blenden, Kaschierungen
- Trägermaterial für Pinnwände, Bilderrückseiten
- Schablonen und Zeichenunterlagen in der Werkstatt
Verarbeitung
- Zuschnitt mit feinem Blatt; glatte Seite nach oben (Kreissäge) bzw. nach unten (Handkreissäge), damit die Sichtseite ausrissfrei bleibt.
- Nageln/Klammern entlang der Rückwandkante alle 8–10 cm; alternativ in eine gefräste Nut einschieben.
- Nicht in die Fläche schrauben – die Platte reißt aus.
- Lackieren nur auf der glatten Seite und nur nach Grundierung; die Platte saugt stark und wellt bei zu nassem Auftrag.
- Bei größeren Rückwänden eine Mittelsprosse vorsehen.
Technische Daten
| Rohdichte | > 900 kg/m³ (typ. 900–1.050) |
|---|---|
| Biegefestigkeit | 30–44 N/mm² |
| Dickenquellung 24 h | 10–25 % (Standardtyp) |
| Oberfläche | eine Seite glatt, eine Seite genarbt (Siebseite) |
| Emissionsklasse | meist bindemittelarm, geringe Emission |
| Lieferdicken | 2–6 mm (Standard 3,2 mm) |
Fazit
Die Hartfaserplatte ist der preiswerte Standard für nicht sichtbare Rückwände und Böden. Wo beide Seiten sichtbar oder glatt sein müssen, wo es feucht wird oder wo mehr Steifigkeit gefragt ist, ist die HDF die modernere Wahl. Für die klassische Kommodenrückwand tut sie aber bis heute treu ihren Dienst.
