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Spanplatte

Spanwerkstoff· P2 / P3· EN 312
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Spanplatte

Die Spanplatte ist der meistverbaute Holzwerkstoff im Möbel- und Innenausbau. Zerspantes Rest-, Durchforstungs- und Sägewerksholz wird mit Leim (meist UF-Harz) unter Hitze und Druck zu einer Platte verpresst. Das Ergebnis ist ein homogener, maßhaltiger und günstiger Trägerwerkstoff, der praktisch nie als Sichtfläche, sondern immer beschichtet, furniert oder foliert eingesetzt wird.

Aufbau

Klassische Spanplatten sind dreischichtig aufgebaut: zwei feinspanige, dichte Deckschichten sorgen für eine glatte, beschichtbare Oberfläche, die grobspanige Mittelschicht für Volumen und geringes Gewicht. Die Typen sind in der EN 312 nach Belastung und Feuchtebereich gestaffelt: • P2 – nicht tragend, Trockenbereich. Die Standard-Möbelbauplatte. • P3 – nicht tragend, Feuchtbereich (kein Dauerwasserkontakt). • P4 / P5 – tragend, Trocken- bzw. Feuchtbereich (Bau, Unterböden). • P6 / P7 – hochbelastbar tragend, Feuchtbereich. Feuchtebeständige Platten sind meist mit einem grünen Kern oder grüner Bedruckung gekennzeichnet und mit MUF- oder PMDI-Harz verleimt.

Eigenschaften

  • Maßhaltig und spannungsarm – „arbeitet" kaum, ideal für große Flächen.
  • Feuchteempfindlich – nimmt eindringendes Wasser über offene Kanten oder Bohrungen auf, quillt irreversibel und verliert dann stark an Festigkeit.
  • Mäßige Schraubenhaltekraft, besonders in der Kante (Mittelschicht). Auszüge und Scharniere brauchen Spezialdübel oder Beschlagverstärkungen.
  • Homogen – keine Astlöcher, kein Drehwuchs, in jeder Charge gleich.
  • Rohdichte und Deckschichtfeinheit bestimmen die erreichbare Oberflächengüte.

Verwendung

  • Korpusseiten, Böden, Rückwände und Konstruktionsteile im Möbelbau
  • Küchen (P3 im Spülen- und Sockelbereich)
  • Trägerplatte für Melamin-, HPL- und Furnierbeschichtung
  • Laden-, Messe- und Innenausbau
  • P4–P7: Unterböden, Beplankungen, Regalanlagen

Verarbeitung

  • Zuschnitt mit Hartmetall-Kreissägeblättern; Vorritzsäge oder Nachschnitt gegen Ausrisse in der Beschichtung.
  • Kanten immer verschließen – ABS/Melamin-Umleimer, Massivholzanleimer oder mindestens Grundierfüller. Offene Kanten sind die Schwachstelle der Platte.
  • Fräsen stumpft Werkzeuge durch Leimanteil und Deckschicht-Dichte schneller ab als Massivholz.
  • Verschrauben in der Fläche mit Spanplattenschrauben, in der Kante nur mit vorgebohrtem Kernloch oder Konstruktionsdübel; besser Korpusverbinder / Exzenter.
  • Staubabsaugung Pflicht – der Feinstaub gilt als gesundheitsschädlich.

Technische Daten

Rohdichte600–680 kg/m³
Dickenquellung 24 hP2 ≈ 14–16 % · P3 ≈ 8–10 %
Biege-E-Modul1.800–2.700 N/mm²
Biegefestigkeit11–16 N/mm²
Querzugfestigkeit0,24–0,45 N/mm²
EmissionsklasseE1 / E0,5 / F****
Lieferdicken8–40 mm (Standard 16 · 19 · 25 · 38)
Großformatbis 2800 × 2070 mm

Fazit

Die Spanplatte ist das wirtschaftliche Rückgrat des Korpusbaus: günstig, maßhaltig, überall beschaffbar. Wo Kanten- und Schraubenhaltekraft, geringes Gewicht oder Feuchtebeständigkeit gefragt sind, greift man besser zu MDF, Tischler- oder Multiplexplatte. Entscheidend ist der konsequente Kantenschutz – eine ungeschützte Spanplattenkante im Feuchtbereich ist ein Reklamationsfall mit Ansage.