Die Tischlerplatte besteht aus einer Mittellage aus nebeneinander verleimten Massivholzstäben (meist Fichte, Tanne oder Pappel), die beidseitig mit einem oder zwei Deckfurnieren abgesperrt ist. So entsteht eine dicke, aber leichte Platte mit gutmütigem Bearbeitungsverhalten – historisch die wichtigste Möbelplatte, heute in vielen Anwendungen von Span- und Multiplexplatte verdrängt, im Türen- und Ladenbau aber weiterhin gefragt.
Aufbau
• Stabsperrholz (ST) – Mittellage aus massiven Holzstäben (bis ~30 mm breit). • Stäbchensperrholz (STAE) – Mittellage aus hochkant stehenden Furnierstreifen (~5 mm); etwas schwerer, aber gleichmäßiger und formstabiler. • Deckfurniere längs zur Plattenlänge, quer zur Stabrichtung – das sperrt die Platte. Als Dreischichtplatte bezeichnet man die verwandte Massivholzplatte ohne Deckfurnier (siehe eigener Steckbrief).
Eigenschaften
- Leicht – rund 30 % weniger Gewicht als Multiplex gleicher Dicke.
- Gute Schraubenhaltekraft in der Fläche; in der Kante nur, wo ein Stab getroffen wird – daher unsicher.
- Gut von Hand zu bearbeiten, sägt und hobelt sich fast wie Massivholz.
- Formstabil, solange der Aufbau symmetrisch bleibt.
- Fugen der Mittellage können sich bei einseitiger Beschichtung oder starkem Klimawechsel als feine Linien abzeichnen (Telegrafieren).
- Kante zeigt die Stabstruktur und muss belegt oder gefüllt werden.
Verwendung
- Innentüren (Türblätter, Zargen) und Türfüllungen
- Möbelbau: Korpusse, Fronten, Regalböden, Sitzbänke
- Fensterbänke, Abdeckungen, Verkleidungen
- Ladenbau, Messebau, Ausstellungsmöbel
- überall dort, wo Multiplex zu schwer und Spanplatte zu instabil ist
Verarbeitung
- Zuschnitt mit Vorritzsäge; das Deckfurnier reißt sonst an der Unterkante aus.
- Kanten: mit Massivholzanleimer (mind. 3–5 mm) oder Umleimer schließen; bei Sichtkante die Stabfugen vorher spachteln.
- Verschrauben in der Kante nur nach dem Anzeichnen der Stäbe oder über einen Massivholz-Einleimer.
- Beschichten: möglichst beidseitig gleich (Beschichtung + Gegenzug), sonst verzieht sich die Platte und die Stabfugen telegrafieren durch.
- Furnieren direkt möglich; für hochwertige Oberflächen ein Zwischenfurnier (Absperrfurnier) aufbringen.
Technische Daten
| Rohdichte | 450–550 kg/m³ (Nadelholz-Mittellage) |
|---|---|
| Aufbau | Massivholzstäbe (ST) bzw. Furnierstreifen (STAE), 2 Deckfurniere |
| Biegefestigkeit (∥ Stäbe) | 20–35 N/mm² |
| Dickenquellung 24 h | gering, formstabil |
| Emissionsklasse | E1 / E0,5 |
| Lieferdicken | 13–38 mm (Standard 16 · 19 · 22) |
| Format | 2500 × 1250 mm · 5100 × 1300 mm (Türenformate) |
Fazit
Die Tischlerplatte ist der Kompromiss aus Stabilität, geringem Gewicht und angenehmer Bearbeitung – ihre Stärke im Türenbau ist unbestritten. Ihre Schwächen sind die unsichere Kantenverschraubung und die durchzeichnenden Stabfugen bei unsymmetrischem Aufbau. Wo maximale Steifigkeit und Kantenhaltekraft zählen, ist Multiplex überlegen.
