Die Leimverbindung ist eine stoffschlüssige Verbindung: Der Klebstoff geht mit den Holzfasern beider Fügeteile eine feste chemische und mechanische Bindung ein. Bei einer sauber ausgeführten, ganzflächigen Langholz-auf-Langholz-Verleimung ist die Klebefuge in der Regel stabiler als das umgebende Holz selbst – bricht ein verleimtes Bauteil, reißt meist das Holz neben der Fuge, nicht die Fuge selbst.
Aufbau
Der in der Schreinerei mit Abstand am häufigsten verwendete Klebstoff ist PVAc-Weißleim (Polyvinylacetat) auf Wasserbasis. Er wird nach DIN EN 204 in Beständigkeitsklassen von D1 (nur für trockene Innenräume) bis D4 (außenbereichstauglich, hoch wasserfest) eingeteilt; im Möbelbau ist D3 („feuchtebeständig“) heute weitgehend Standard. Für höhere Anforderungen an Feuchte- oder Warmwasserbeständigkeit sowie zum Verkleben unterschiedlicher Materialien (Metall, Kunststoff) kommen Polyurethan- (PU-) oder Epoxidharzkleber zum Einsatz, die auch größere Spaltmaße überbrücken können.
Eigenschaften
- Stoffschluss statt Formschluss: Die Verbindung wirkt über die gesamte Klebefläche, nicht punktuell wie bei Dübeln oder Schrauben – je größer die Klebefläche, desto tragfähiger die Verbindung.
- Langholz-auf-Langholz-Verklebungen erreichen die höchste Festigkeit; Stirnholzverklebungen (z. B. reine Gehrung) sind wegen der saugfähigen, offenen Faserenden deutlich schwächer.
- PVAc-Leim ist kein Spaltfüller: Die Fügeteile müssen nahezu spaltfrei aneinanderliegen, sonst verliert die Verbindung erheblich an Festigkeit. PU-Kleber toleriert etwas größere Spalten, schäumt beim Aushärten auf.
- Nach dem Pressen ist die Verbindung meist nach 20–30 Minuten handfest, die volle Endfestigkeit wird jedoch erst nach rund 24 Stunden erreicht – vor dieser Zeit sollten Bauteile nicht voll belastet werden.
Verwendung
- Flächige Verleimung von Massivholzplatten aus mehreren Brettern (Tischplatten, Arbeitsplatten)
- Ergänzung nahezu jeder anderen Verbindungsart – Zapfen, Zinken, Dübel und Domino werden praktisch immer zusätzlich verleimt
- Kantenanleimer und Furniere (meist mit speziellen Schmelzklebstoffen statt PVAc)
- Feuchtraum- oder Außenbauteile mit PU-Klebstoff, wo Wasserbeständigkeit gefordert ist
Verarbeitung
- Leim gleichmäßig und ausreichend dünn auf beide Fügeflächen auftragen – zu wenig Leim führt zu „hungrigen“, porösen Fugen, zu viel presst sich unnötig heraus und verschwendet Material.
- Offene Zeit beachten: Je nach Raumtemperatur und Luftfeuchte beginnt PVAc-Leim nach wenigen Minuten anzuziehen – Bauteile zügig zusammenfügen und pressen.
- Ausreichenden, gleichmäßigen Pressdruck über die gesamte Fläche sicherstellen (Zwingen, Spannpresse); zu punktueller Druck führt zu ungleichmäßig dünnen Leimfugen.
- Austretenden Leim vor dem vollständigen Aushärten mit feuchtem Lappen abwischen oder nach dem Anziehen antrocknen lassen und dann abschaben – vollständig ausgehärteter Leim lässt sich nur noch mühsam entfernen und nimmt beim Schleifen keine Beize an.
Technische Daten
| Beständigkeitsklassen (DIN EN 204) | D1 (trocken) bis D4 (außenbereichstauglich) |
|---|---|
| Gängigster Klebstoff | PVAc-Weißleim, meist Klasse D2/D3 |
| Anpresszeit | ca. 20–30 Minuten bei Raumtemperatur |
| Vollständige Aushärtung | nach ca. 24 Stunden |
| Pressdruck | ca. 0,4–1,0 N/mm² (Weichholz niedriger, Hartholz höher) |
| Fugenspalt | möglichst < 0,1–0,2 mm, PVAc ist kein Spaltfüller |
Fazit
Die Leimverbindung ist die stille Basis fast jeder anderen Verbindungstechnik in diesem Überblick: Zapfen, Zinken, Dübel und Domino entfalten ihre volle Festigkeit erst in Kombination mit einer sauber ausgeführten Verklebung. Wo spätere Demontage gewünscht ist, bleibt sie ungeeignet – dafür sind Schraub- oder Beschlagverbindungen die richtige Wahl.