Die Stegverbindung ist ein durchgesteckter Zapfen (der „Steg"), der auf der gegenüberliegenden Seite des Bauteils übersteht und dort mit einem in den Zapfenkopf gesägten Keil verspreizt wird. Anders als die verleimte Zapfenverbindung bleibt sie lösbar – der Keil lässt sich bei Bedarf wieder heraustreiben – und zeigt an der Schauseite bewusst Zapfenkopf und Keil als gestalterisches Element. Traditionell findet sie sich im Fachwerkbau, an Fensterläden, in Kassettentüren und an Werkbänken.
Aufbau
Der Zapfen wird so lang bemessen, dass er nach dem Durchstecken einige Zentimeter aus dem Gegenstück übersteht. In diesen überstehenden Kopf wird mittig ein Schlitz gesägt, in den beim Zusammenbau ein Keil eingetrieben wird. Das Zapfenloch ist zur Austrittsseite hin leicht konisch angelegt, damit sich der Zapfen beim Verkeilen dort aufspreizen und verspannen kann. Je nachdem, welche Bauteile verbunden werden, unterscheidet man:
- Gerade Stegverbindung, senkrechter Steg – rechtwinkliger Anschluss, der Steg selbst sitzt stehend im Bauteil (z. B. ein Ständer, der durch Schwelle oder Rähm gesteckt wird).
- Gerade Stegverbindung, waagerechter Steg – ebenfalls ein rechtwinkliger Anschluss, hier liegt der Steg quer im Bauteil (z. B. bei liegenden Riegeln).
- Schräge Stegverbindung, senkrechter Steg – für Anschlüsse, die nicht im rechten Winkel aufeinandertreffen, etwa bei Streben und Kopfbändern; die Zapfenschulter wird hier auf den jeweiligen Anschlusswinkel gesägt statt rechtwinklig.
Zimmermannsmäßige Verbindungen wie diese waren früher unter DIN 1052 (Abschnitt „Zimmermannsmäßige Verbindungen") genormt. Im modernen Holzbau ist diese Norm inzwischen weitgehend durch den Eurocode 5 abgelöst worden – in der handwerklichen Praxis hat sich die traditionelle Bauweise aber unverändert erhalten.
Eigenschaften
- Lösbar: Der Keil lässt sich wieder heraustreiben, ohne die Verbindung zu zerstören – praktisch für Bauteile, die irgendwann zerlegt oder nachjustiert werden müssen.
- Selbstspannend: Beim Eintreiben des Keils zieht sich die Verbindung spürbar zusammen und strafft sich.
- Historisch nutzte man diese Nachstellbarkeit gezielt: An Kassettentüren ließ sich ein im Laufe der Zeit durchgesunkenes Türblatt wieder richten, indem man die Keile tiefer nachschlug oder gegen etwas größere ersetzte.
- Damit der Keil überhaupt zieht, braucht es hinter ihm etwas Luft – ohne diesen Freiraum läuft der Keil auf und spannt nicht mehr nach.
- Das Keilholz sollte härter sein als das umgebende Rahmenholz, damit es dem Anpressdruck standhält, statt selbst nachzugeben.
Verwendung
- Fachwerkbau: Anschlüsse zwischen Ständern, Schwellen, Rähm, Streben und Kopfbändern
- Fensterläden: Füllungsbretter werden über Querfriesen ohne Leim, nur durch den Keil gehalten, verbunden
- Kassettentüren: sichtbarer Zapfenkopf mit Keil als gestalterisches Element an der Türblattkante
- Werkbänke und andere zerlegbare Holzkonstruktionen
Verarbeitung
- Zapfenloch zur Austrittsseite hin leicht konisch anlegen, damit sich der Zapfen beim Verkeilen dort aufweiten kann.
- Den Keilschlitz mittig in den überstehenden Zapfenkopf sägen und dabei ausreichend Luft (rund 3 mm) zum Zapfenlochrand lassen, sonst zieht der Keil nicht mehr nach.
- Den Keil aus hartem Holz mit einer Schmiege von etwa 1:10 anreißen und sägen – zu steil, und er sprengt das Holz; zu flach, und er hält nicht.
- Beim Eintreiben gleichmäßig und mit Augenmaß vorgehen, bis sich die Verbindung spürbar strafft, ohne dass der Zapfenkopf reißt.
Anleitung: von Hand herstellen
Gerade Stegverbindung, senkrechter Steg
- 1
Zapfen und Zapfenloch anreißen
Rahmenteile auf Maß bringen und anreißen. Der Zapfen wird so bemessen, dass er nach dem Durchstecken einige Zentimeter übersteht.
- 2
Zapfenloch aussägen und ausstemmen
Zur Austrittsseite hin leicht konisch anlegen, damit sich der Zapfen beim Verkeilen dort sauber aufspreizen kann.
- 3
Zapfen sägen und einpassen
Zapfen sägen und in einer Passprobe so anpassen, dass er sich stramm, aber ohne Kraftaufwand durchstecken lässt.
- 4
Keilschlitz sägen
Mittig in den überstehenden Zapfenkopf sägen, mit rund 3 mm Luft zum Zapfenlochrand, damit der Keil beim Eintreiben noch zieht.
- 5
Keil anfertigen und eintreiben
Aus hartem Holz mit einer Schmiege von etwa 1:10 anreißen und sägen, dann gleichmäßig eintreiben, bis sich die Verbindung spürbar strafft.
Gerade Stegverbindung, waagerechter Steg
- 1
Grundtechnik wie beim senkrechten Steg
Zapfen, Zapfenloch und Keilschlitz werden nach demselben Ablauf angerissen und gesägt.
- 2
Ausrichtung beachten
Der Steg liegt hier quer im Bauteil – Faserverlauf und Keilrichtung so wählen, dass die Spreizkraft nicht ungünstig quer zur Faser des Gegenstücks drückt.
- 3
Verkeilen
Wie beim senkrechten Steg mit hartem Keilholz und einer Schmiege von etwa 1:10 gleichmäßig eintreiben.
Schräge Stegverbindung, senkrechter Steg
- 1
Anschlusswinkel anreißen
Bei Streben und Kopfbändern zunächst den tatsächlichen Anschlusswinkel am Bauwerk abgreifen und die Zapfenschulter entsprechend schräg statt rechtwinklig anreißen.
- 2
Zapfen und Zapfenloch anpassen
Das Zapfenloch im rechten Winkel zur Zapfenachse aussägen, nicht zur Bauteilkante, damit die Kräfte gerade eingeleitet werden.
- 3
Keilschlitz und Keil wie bei der geraden Stegverbindung
Schlitz mit ausreichend Luft zum Rand sägen, Keil aus hartem Holz mit einer Schmiege von etwa 1:10 anfertigen.
- 4
Verkeilen und kontrollieren
Beim Eintreiben besonders auf gleichmäßigen Sitz achten, da der schräge Anschluss einseitig stärker belastet wird als ein rechtwinkliger.
Technische Daten
| Keilschmiege | ≈ 1:10 |
|---|---|
| Luft hinter dem Keil | ≈ 3 mm (zum Anziehen der Verbindung) |
| Keilholz | möglichst härter als das Rahmenholz |
| Lösbar | ja |
| Sichtbarkeit | sichtbar (Zapfenkopf und Keil an der Schauseite) |
Fazit
Die Stegverbindung verbindet zwei Dinge, die sich sonst ausschließen: sichtbare, handwerklich reizvolle Gestaltung und echte Lösbarkeit. Für Bauteile, die irgendwann nachjustiert, zerlegt oder ausgetauscht werden müssen, ist sie einer verleimten Zapfenverbindung klar vorzuziehen – der Aufwand für Keilschlitz und passenden Keil zahlt sich in genau diesem Fall aus.