Auftragskalkulation: Material, Zeit und Gemeinkosten
Die im Handwerk übliche Zuschlagskalkulation verteilt alle Betriebskosten nachvollziehbar auf einzelne Aufträge – vom Materialeinkauf bis zum Gewinnzuschlag. Wer die Methode einmal durchdrungen hat, kalkuliert jeden weiteren Auftrag in wenigen Minuten.
Die Zuschlagskalkulation Schritt für Schritt
Fünf Schritte führen von den reinen Materialkosten zum vollständigen Angebotspreis:
- 1
Materialeinzelkosten ermitteln
Alle Werkstoffe, Beschläge und Verbrauchsmaterialien für den konkreten Auftrag zu Einkaufspreisen zusammenstellen.
- 2
Materialgemeinkosten aufschlagen
Ein Zuschlag (Materialgemeinkostenzuschlag, MGK) deckt Lager, Verschnitt und Einkaufsverwaltung ab und wird auf die Materialeinzelkosten aufgeschlagen.
- 3
Fertigungslohn kalkulieren
Die geplanten Fertigungsstunden mit dem betrieblichen Stundenverrechnungssatz multiplizieren (siehe Stundensatzrechner).
- 4
Fertigungsgemeinkosten aufschlagen
Ein weiterer Zuschlag (Fertigungsgemeinkosten, FGK) deckt Maschinen, Energie, Miete und nicht direkt zurechenbare Werkstattkosten ab.
- 5
Selbstkosten und Gewinnzuschlag
Materialkosten und Fertigungskosten ergeben zusammen die Selbstkosten. Ein Gewinnzuschlag (üblich: ca. 3–8 %) sichert Reinvestitionen und das unternehmerische Risiko ab – der Angebotspreis ergibt sich als Selbstkosten plus Gewinnzuschlag.
Durchgerechnetes Beispiel
Ein Einbauschrank mit 24 Stunden geplanter Fertigungszeit, 45 €/Std. Stundenverrechnungssatz, 15 % Materialgemeinkosten- und 80 % Fertigungsgemeinkostenzuschlag:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Materialeinzelkosten (Holz, Beschläge) | 1.200,00 € |
| + Materialgemeinkostenzuschlag (15 %) | 180,00 € |
| = Materialkosten | 1.380,00 € |
| Fertigungslohn (24 Std. × 45 €/Std.) | 1.080,00 € |
| + Fertigungsgemeinkostenzuschlag (80 %) | 864,00 € |
| = Fertigungskosten | 1.944,00 € |
| Selbstkosten (Material + Fertigung) | 3.324,00 € |
| + Gewinnzuschlag (6 %) | 199,44 € |
| = Angebotspreis (netto) | 3.523,44 € |
Die Zuschlagssätze (hier 15 % / 80 % / 6 %) sind Beispielwerte – sie unterscheiden sich je nach Betrieb deutlich und sollten anhand der eigenen Kostenstruktur ermittelt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Woher bekomme ich meine eigenen Zuschlagssätze für MGK und FGK?
Am genauesten aus der eigenen Buchhaltung: Gemeinkosten eines Jahres (Miete, Energie, Maschinenabschreibung, Verwaltung) durch die jeweilige Bezugsgröße (Materialeinzelkosten bzw. Fertigungslöhne desselben Zeitraums) teilen. Der Steuerberater oder die Handwerkskammer helfen bei der ersten Ermittlung, danach lässt sich der Satz jährlich aktualisieren.
Was, wenn die Kalkulation höher ausfällt als der Preis der Konkurrenz?
Ein zu niedriger Preis, der die eigenen Selbstkosten nicht deckt, führt langfristig zu Verlusten – selbst bei voller Auslastung. Es lohnt sich eher zu prüfen, ob der eigene Zeitaufwand realistisch geschätzt ist, als den Gewinnzuschlag unter ein wirtschaftlich tragfähiges Niveau zu drücken.
Sollte man Nachlässe direkt in der Kalkulation einrechnen?
Besser nicht dauerhaft: Ein sauber kalkulierter Angebotspreis macht Rabatte für Stammkunden oder Großaufträge transparent nachvollziehbar, statt sie unsichtbar in überhöhten Zuschlägen zu verstecken.
Weiterführend
Den eigenen Stundenverrechnungssatz für den Fertigungslohn berechnest du mit dem Stundensatzrechner. Wie sich die Kalkulation in ein verbindliches Angebot überführen lässt, zeigt der Artikel Aufmaß & Angebotserstellung, Software für die laufende Kalkulation vergleicht die Übersicht Kalkulations- & Auftragssoftware.