CAD/CAM-Software für Schreiner
3D-CAD-Programme übernehmen heute weit mehr als das reine Zeichnen: Stücklisten, Zuschnittoptimierung und die direkte Anbindung an CNC-Maschinen (CAM) gehören bei den meisten Branchenlösungen bereits dazu. Die Programme unterscheiden sich vor allem darin, wie stark sie auf den Möbel- und Innenausbau zugeschnitten sind und wie gut sie sich in die restliche Betriebssoftware einfügen.
Unabhängige Einschätzung: Diese Übersicht ist eine unabhängige redaktionelle Recherche. Es gibt kein Sponsoring, keine Bezahlung und keine Provisionen durch die genannten Hersteller – Auswahl und Beschreibung beruhen auf frei zugänglichen Informationen der Anbieter.
Software im Vergleich
Eine Auswahl gängiger Programme in der Branche – Zielgruppe und Besonderheit auf einen Blick:
Software
imos iX
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Modular, skaliert vom kleinen Betrieb bis zum Großunternehmen
- Besonderheit
- Cloud-Services, VR/AR-Funktionen, Anbindung an die Homag Digital Factory
Software
paletteCAD
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Speziell für Tischler & Schreiner, cloudbasiert
- Besonderheit
- Große Bibliothek fertiger 3D-Objekte, starke Fotorealistik, direkte CNC-Anbindung
Software
PYTHA
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Möbeldesign, Innenausbau, Laden- und Messebau
- Besonderheit
- Patentierte Footprint-Technologie für Verbinder wie Dübel oder Minifix, komplett in Deutschland entwickelt
Software
TopSolid'Wood
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Tischler, Innenausbauer, Ladenbauer, CNC-Zulieferer
- Besonderheit
- Baut auf dem Siemens-Parasolid-Kern auf, maschinenneutrales CAM bis 5-Achs-simultan
Software
TrunCAD
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Möbel- und Küchenplanung
- Besonderheit
- Laut Anbieter über 8.000 Nutzer, integrierter Online-Konfigurator für die eigene Website
Software
interiorcad
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Möbel- und Einrichtungsbau, seit rund 25 Jahren am Markt
- Besonderheit
- Baut auf Vectorworks auf, in Kombination mit der Kalkulationssoftware Corpora als durchgängige Lösung
Software
SolidWorks (mit SWOOD)
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Schreiner, Tischler, Möbeldesigner, Innenarchitekten – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zur Industrie
- Besonderheit
- SWOOD ist eine Erweiterung für SolidWorks von der französischen Firma EFICAD, seit 2009 am Markt, steuert gängige Holzbearbeitungs-CNC inklusive Kantenanleimung an
Software
AutoCAD
- Zielgruppe / Schwerpunkt
- Allgemeine technische Zeichnungen, kein Branchenfokus
- Besonderheit
- Weit verbreitet und günstiger im Einstieg, aber ohne fertige Zuschnittlisten oder direkte CNC-Ausgabe für den Möbelbau
Angaben ohne Gewähr, Stand der Recherche. Preise variieren stark je nach Modulumfang und Betriebsgröße – am besten direkt beim Anbieter anfragen oder eine Testversion nutzen.
Die Programme im Einzelnen
Kurzporträt je Software mit Link zur Anbieter-Website – zum Aufklappen:
IMimos iX
imos iX ist eine modulare Planungssoftware der imos AG, die vom kleinen Betrieb bis zum Großunternehmen skaliert. Über die Cloud-Anbindung an die Homag Digital Factory lassen sich Aufträge direkt an Fertigungsmaschinen weitergeben, dazu kommen VR- und AR-Funktionen für die Kundenpräsentation.
Besonders geeignet für: Betriebe, die von klein bis Großserie skalieren wollen und Wert auf Anbindung an Homag-Maschinen legen.
Vorteile
- Wächst modular mit dem Betrieb mit, von Einzelplatz bis Konzern
- Direkte Cloud-Anbindung an die Homag Digital Factory
- VR/AR-Funktionen für die Kundenpräsentation
Nachteile
- Modularer Aufbau kann bei kleinen Betrieben zu unnötigem Overhead führen
- Volle Stärke oft erst mit Homag-Maschinenpark spürbar
- Preise nicht öffentlich einsehbar, nur auf Anfrage
PCpaletteCAD
paletteCAD von der Palette CAD AG ist eine cloudbasierte 3D-Software speziell für Tischler und Schreiner mit einer großen Bibliothek fertiger 3D-Objekte und starker Fotorealistik für die Kundenpräsentation. Laut Anbieter setzen über 12.000 Handwerksbetriebe, Fachhändler und Planer auf die Software.
Besonders geeignet für: Tischler und Schreiner, die schnelle, fotorealistische Kundenpräsentationen ohne große Einarbeitung wollen.
Vorteile
- Große Bibliothek fertiger 3D-Objekte spart Modellierzeit
- Starke Fotorealistik überzeugt bei Kundenpräsentationen
- Cloudbasiert, dadurch ortsunabhängig nutzbar
Nachteile
- Laufende Kosten durch Cloud-/Abomodell statt Einmalkauf
- Objektbibliothek deckt nicht jeden Sonderfall ab
- Benötigt eine stabile Internetverbindung
PYPYTHA
PYTHA ist ein universelles 3D-CAD-System, das komplett in Deutschland entwickelt wird und neben Möbeldesign auch Laden- und Messebau abdeckt. Die patentierte Footprint-Technologie erkennt beim Konstruieren automatisch passende Verbinder wie Dübel oder Minifix.
Besonders geeignet für: Möbeldesign, Laden- und Messebau mit Anspruch an flexible, individuelle Konstruktionen.
Vorteile
- Footprint-Technologie erkennt passende Verbinder automatisch
- Deckt Möbelbau, Laden- und Messebau gleichermaßen ab
- Deutsche Entwicklung mit deutschsprachigem Support
Nachteile
- Umfangreiches System mit entsprechender Einarbeitungszeit
- Weniger stark auf Serienfertigung ausgelegt als reine ERP-CAD-Kombinationen
- Preise nur auf Anfrage
TSTopSolid'Wood
TopSolid'Wood vom französischen Anbieter Missler Software baut auf dem Siemens-Parasolid-Kern auf und richtet sich an Tischler, Innenausbauer, Ladenbauer und CNC-Zulieferer. Bearbeitungsschritte werden schon während der 3D-Modellierung mitgedacht, das CAM-Modul steuert Maschinen maschinenneutral bis zur 5-Achs-Simultanbearbeitung an.
Besonders geeignet für: CNC-Zulieferer und Betriebe mit anspruchsvoller, mehrachsiger Maschinenanbindung.
Vorteile
- Maschinenneutrales CAM bis zur 5-Achs-Simultanbearbeitung
- Bearbeitung wird schon während der Konstruktion mitgedacht
- Robuster Parasolid-Kern aus dem Siemens-Umfeld
Nachteile
- Komplexität eher auf größere, maschinennahe Betriebe ausgelegt
- Französischer Hersteller, Lokalisierung und Support in Deutschland über Partner
- Hoher Funktionsumfang erfordert längere Einarbeitung
TCTrunCAD
TrunCAD wird seit 2004 von der TrunCAD GmbH aus Lindau entwickelt und zielt auf schnelle, einfache Möbel- und Küchenplanung mit automatischer Stücklistenerstellung. Laut Anbieter nutzen weltweit mehr als 2.000 Betriebe die Software, zusätzlich lässt sich ein Online-Konfigurator in die eigene Website einbinden.
Besonders geeignet für: Möbel- und Küchenplaner, die schnell zu einer Stückliste und einem Online-Konfigurator kommen wollen.
Vorteile
- Laut Anbieter auch für CAD-Einsteiger schnell erlernbar
- Automatische Stücklistenerstellung
- Eigener Online-Konfigurator für die Kundenwebsite einbindbar
Nachteile
- Fokus liegt stärker auf Möbel/Küche als auf komplexem Innenausbau
- Für sehr große Betriebe ggf. weniger Tiefe als Enterprise-Lösungen
- Direkte CNC-Anbindung je nach Maschine unterschiedlich ausgeprägt
ICinteriorcad
interiorcad powered by Vectorworks wird seit 1997 von der extragroup GmbH in Münster entwickelt und nutzt als CAD-Kern die Grafiksoftware Vectorworks, die 2D- und 3D-Konstruktion auf einem Niveau verbindet. Für die Kalkulation gibt es eine direkte Schnittstelle zur Software Corpora, sodass Konstruktionsdaten nicht doppelt erfasst werden müssen.
Besonders geeignet für: Betriebe, die eine etablierte 2D/3D-Grafikbasis (Vectorworks) plus Möbelbau-Erweiterung wollen.
Vorteile
- Vectorworks-Kern bietet vollwertiges 2D neben 3D
- Seit 1997 etabliert, entsprechend viel Branchenerfahrung
- Schnittstelle zur Kalkulationssoftware Corpora verfügbar
Nachteile
- Vectorworks-Lizenz als Basis zusätzlich zur interiorcad-Erweiterung nötig
- Umstieg von einem anderen CAD-Kern erfordert Umgewöhnung
- Preise nur auf Anfrage
SWSolidWorks (mit SWOOD)
SolidWorks ist die verbreitete mechanische 3D-CAD-Plattform von Dassault Systèmes; für den Möbel- und Holzbereich wird sie erst durch die Erweiterung SWOOD interessant. SWOOD stammt vom französischen Anbieter EFICAD, ist seit 2009 am Markt und steuert gängige Holzbearbeitungs-CNC inklusive Kantenanleimung direkt aus dem 3D-Modell an.
Besonders geeignet für: Betriebe, die etablierte mechanische 3D-CAD-Power mit einer dedizierten Holzbearbeitungs-Erweiterung kombinieren wollen.
Vorteile
- SolidWorks-Kern ist ein etablierter, weit verbreiteter CAD-Standard
- SWOOD steuert Holzbearbeitungs-CNC inklusive Kantenanleimung direkt an
- Skaliert vom Handwerksbetrieb bis zur Industrie
Nachteile
- Zwei Lizenzen nötig: SolidWorks-Basis plus SWOOD-Erweiterung
- Ursprünglich für den Maschinenbau entwickelt, kein reiner Möbelbau-Fokus
- Höherer Einarbeitungsaufwand als bei reinen Branchenlösungen
ACAutoCAD
AutoCAD von Autodesk ist ein allgemeines technisches Zeichenprogramm ohne Branchenfokus auf Möbel- oder Innenausbau. Für Zuschnittlisten, Materiallisten oder eine direkte CNC-Ausgabe braucht es zusätzliche Erweiterungen – dafür ist der Einstieg oft günstiger als bei den spezialisierten Branchenlösungen.
Besonders geeignet für: Betriebe, die vor allem klassische technische Zeichnungen brauchen und volle Flexibilität ohne Branchenkorsett wollen.
Vorteile
- Weit verbreiteter Standard mit vielen Anwendern und Tutorials
- Günstiger Einstieg im Vergleich zu Branchenlösungen
- Sehr flexibel für allgemeine technische Zeichnungen
Nachteile
- Keine fertigen Zuschnitt- oder Stücklisten für den Möbelbau
- Keine direkte CNC-Ausgabe ohne Zusatz-Plug-ins
- Kein branchenspezifischer Support für Schreinerarbeiten
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
- Betriebsgröße: Manche Systeme (z. B. imos, OSD) sind modular und wachsen mit, andere sind von vornherein auf kleinere Betriebe zugeschnitten.
- CNC-Anbindung: Wenn du eine eigene CNC-Maschine hast oder planst, achte auf eine direkte CAM-Schnittstelle statt eines Umwegs über Exportformate.
- Cloud oder lokal: Cloudbasierte Programme laufen ohne eigenen Server und sind ortsunabhängig nutzbar, lokale Installationen bieten oft mehr Kontrolle über die eigenen Daten.
- Anbindung an die Kalkulation: Prüfe, ob eine Schnittstelle zu deiner Auftrags- und Kalkulationssoftware besteht (siehe Kalkulations- und Auftragssoftware).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich CAD oder gleich CAD/CAM?
Ein reines CAD-Programm reicht für Planung, Konstruktion und Kundenpräsentation. CAM wird erst nötig, sobald du CNC-Maschinen ansteuerst und die Zuschnitt- und Bearbeitungsdaten direkt aus der Zeichnung erzeugen willst, statt sie manuell zu übertragen.
Muss die CAD-Software zur Kalkulationssoftware passen?
Das solltest du unbedingt vorher prüfen. Manche Kombinationen sind bereits aufeinander abgestimmt – etwa TrunCAD und Corpora oder interiorcad und Corpora, beide vom selben Anbieter. Ohne passende Schnittstelle musst du Maße, Stücklisten und Preise doppelt pflegen.
Lohnt sich eine Testversion?
Ja. Mehrere Anbieter bieten kostenlose Testphasen an, oft rund zwei Wochen. Am aussagekräftigsten ist der Test an einem echten, aktuellen Projekt aus deinem eigenen Betrieb – nicht am Demo-Beispiel des Anbieters.