Musterkalkulation: vom Mittellohn zum Angebotspreis
So rechnet eine typische Kalkulationssoftware für Schreinereien einen Auftrag – Schritt für Schritt an einem Beispiel: von den Lohngruppen über Gemeinkosten und Maschinenzuschläge bis zu Kennzahlen und Nachkalkulation. Alle Werte sind frei gewählte Beispielwerte, deine eigenen Sätze kommen aus deiner Buchhaltung.
Woraus eine Arbeitsstunde besteht
Eine Gesellenstunde mit 21,50 € Bruttolohn wird im Beispiel für 74,58 € netto verkauft. So setzt sich der Betrag zusammen:
- Bruttolohn21,50 €28,8 %
- Lohnnebenkosten19,35 €25,9 %
- Gemeinkosten18,81 €25,2 %
- Wagnis & Gewinn14,92 €20,0 %
Der Lohn auf dem Lohnzettel macht nicht einmal ein Drittel des Stundensatzes aus. Woher die übrigen Bausteine kommen, zeigen die folgenden Schritte.
Schritt 1: Lohngruppen und Mittellohn
Grundlage jeder Kalkulation ist, was eine Stunde je Lohngruppe kostet. Kalkulationsprogramme führen dafür zwei Werte:
- Mittellohn I ist der reine Bruttostundenlohn, wie er auf dem Lohnzettel steht.
- Mittellohn II ist der Lohn plus alles, was daran hängt: Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft und die bezahlten Tage ohne Arbeit – Urlaub, Feiertage, Krankheit. Diese Lohnnebenkosten liegen meist bei 80–100 % des Lohns.
| Gruppe | Mittellohn I | Mittellohn II |
|---|---|---|
| Meister | 26,00 € | 49,40 € |
| Geselle | 21,50 € | 40,85 € |
| Auszubildender | 9,00 € | 19,80 € |
| Hilfskraft | 16,50 € | 31,35 € |
| Inhaber (kalkulatorisch) | 32,00 € | 60,80 € |
| DurchschnittBezugsgröße für alle Stundenzuschläge | 22,00 € | 41,80 € |
Beim Auszubildenden sind die Lohnnebenkosten mit 120 % höher angesetzt: Berufsschultage werden bezahlt, bringen aber keine verkaufbaren Stunden. Der Inhaber steht mit einem kalkulatorischen Unternehmerlohn in der Liste – sonst fehlt sein Gehalt im Preis.
Lohn und Zuschlag müssen zusammenpassen
Ob ein Programm mit Mittellohn I oder II rechnet, ändert am Ergebnis nichts – solange der Gemeinkostenzuschlag dazu passt. Mit Mittellohn I muss der Zuschlag die Lohnnebenkosten mittragen und fällt entsprechend groß aus:
| Baustein | Mittellohn I | Mittellohn II |
|---|---|---|
| LohnbasisDurchschnitt der Lohngruppen | 22,00 € | 41,80 € |
| Zuschlagfür Gemeinkosten – bei Mittellohn I inkl. Lohnnebenkosten | 175,5 % | 45 % |
| Kosten je Stunde | 60,61 € | 60,61 € |
Wer beides mischt – etwa Mittellohn I mit einem Zuschlag, der für Mittellohn II gedacht ist –, kalkuliert die Lohnnebenkosten einfach nicht mit.
Schritt 2: Gemeinkosten und Maschinenzuschläge
Werkstatt, Fahrzeuge und Büro verteilt das Beispiel über einen Gemeinkostenzuschlag von 45 % auf den Durchschnitts-Mittellohn II – das sind 18,81 € je Stunde, egal wer arbeitet. Wo zusätzlich Maschinen oder Software laufen, kommt je Kostenstelle ein eigener Zuschlag dazu. Viele Programme hinterlegen ihn ebenfalls als Prozentsatz auf den Mittellohn:
| Kostenstelle | Maschinen je Std. | Kosten je Std. |
|---|---|---|
| Arbeitsvorbereitung (CAD) | 10,45 € | 70,11 € |
| Zuschnitt | 10,45 € | 70,11 € |
| Kantenbearbeitung | 14,63 € | 74,29 € |
| CNC-Bearbeitung | 50,16 € | 109,82 € |
| Bankraum | – | 59,66 € |
| Oberfläche | 10,45 € | 70,11 € |
| Montage | 6,27 € | 65,93 € |
| Fahrzeit | – | 59,66 € |
Kosten je Stunde = Gesellenlohn 40,85 € + Gemeinkosten 18,81 € + Maschinenzuschlag, noch ohne Wagnis und Gewinn. Material: 10 % Materialgemeinkosten, 5 % Kleinmaterial auf die Werkstoffe, 15 % Verschnitt auf Platten und Kanten.
Wichtig: Was über die Maschinenzuschläge hereinkommt, gehört nicht noch einmal in den Gemeinkostenzuschlag – sonst zahlt der Kunde die Maschine doppelt.
Schritt 3: Die Positionskalkulation
Kalkuliert wird ein Sideboard in Dekorspan, 1.800 × 450 × 750 mm, zwei Türen, drei Schubkästen, geliefert und montiert. Zuerst Material und Stunden:
| Position | Menge | Kosten | ||
|---|---|---|---|---|
| Werkstoffe | ||||
| Dekorspanplatte 19 mm | 5,20 m² | 116,61 € | ||
| HDF-Rückwand 3 mm | 1,40 m² | 9,34 € | ||
| ABS-Kante 23 × 1 mm | 32 lfm | 20,24 € | ||
| Werkstoffe | 146,19 € | |||
| Beschläge | ||||
| Topfband mit Dämpfung | 4 St. | 23,60 € | ||
| Schubkastensystem, Vollauszug | 3 Satz | 96,00 € | ||
| Möbelgriff | 5 St. | 37,50 € | ||
| Stellfuß mit Sockelclip | 6 St. | 10,80 € | ||
| Beschläge | 167,90 € | |||
| Kostenstelle | Stunden | Maschinen |
|---|---|---|
| Arbeitsvorbereitung (CAD) | 1,00 h | 10,45 € |
| Zuschnitt | 1,00 h | 10,45 € |
| Kantenbearbeitung | 0,75 h | 10,97 € |
| CNC-Bearbeitung | 1,00 h | 50,16 € |
| Bankraum | 6,00 h | – |
| Montage | 2,00 h | 12,54 € |
| Fahrzeit | 1,00 h | – |
| Summe | 12,75 h | 94,57 € |
Daraus entsteht die Kalkulation
| Kalkulation | Zuschlag | Betrag | |
|---|---|---|---|
| Material | |||
| Werkstoffe | 146,19 € | ||
| Beschläge | 167,90 € | ||
| Kleinmaterialauf die Werkstoffe: Leim, Schrauben, Dübel | 5 % | 7,31 € | |
| Summe Material | 321,40 € | ||
| MaterialgemeinkostenEinkauf, Lager, Transport | 10 % | 32,14 € | |
| Material mit Gemeinkosten | 353,54 € | ||
| Fertigung | |||
| Fertigungsstunden | 12,75 h | ||
| Lohnkosten12,75 h × 40,85 € (Geselle, Mittellohn II) | 520,84 € | ||
| Gemeinkosten Lohn12,75 h × 41,80 € (Durchschnitt) × 45 % | 45 % | 239,83 € | |
| Lohn mit Gemeinkosten | 760,67 € | ||
| MaschinenzuschlägeSonderkosten der Fertigung, je Kostenstelle | 94,57 € | ||
| Preis | |||
| Selbstkosten | 1.208,78 € | ||
| Wagnis und Gewinn | 25 % | 302,20 € | |
| Nettopreis | 1.510,98 € | ||
| Umsatzsteuer | 19 % | 287,09 € | |
| Bruttopreis | 1.798,07 € | ||
Anteil = Anteil an den Selbstkosten. Alle Beträge je Zeile auf den Cent gerundet.
Wohin der Nettopreis fließt
- Material inkl. Gemeinkosten353,54 €23,4 %
- Bruttolohn274,13 €18,1 %
- Lohnnebenkosten246,71 €16,3 %
- Gemeinkosten239,83 €15,9 %
- Maschinen94,57 €6,3 %
- Wagnis & Gewinn302,20 €20,0 %
Schritt 4: Kennzahlen prüfen
Kennzahlen zeigen auf einen Blick, ob eine Kalkulation zu bisherigen Aufträgen passt. Für das Sideboard:
- Stundensatz ohne Wagnis und Gewinn
- 59,66 €
- Lohn mit Gemeinkosten ÷ Stunden
- Betriebsleistung je Stunde
- 118,51 €
- Nettopreis ÷ Stunden
- Wertschöpfung je Stunde
- 93,30 €
- (Nettopreis − Material) ÷ Stunden
- Material je m² Platte
- 61,81 €
- Summe Material ÷ 5,20 m²
- Stunden je m² Platte
- 2,45 h
- Fertigungsstunden ÷ 5,20 m²
- Nettopreis je m² Platte
- 290,57 €
- Nettopreis ÷ 5,20 m²
Wer diese Werte für typische Auftragsarten sammelt – Korpusmöbel, Küchen, Türen –, erkennt Ausreißer sofort. Liegt ein ähnliches Möbel plötzlich bei der Hälfte des üblichen Preises je m², fehlt in der Kalkulation vermutlich etwas.
Was die Lohngruppe am Preis ändert
Dasselbe Sideboard, nur mit anderer Lohngruppe gerechnet. Gemeinkosten und Maschinenzuschläge bleiben gleich, weil sie an der Stunde hängen – nicht an der Person:
| Kalkuliert mit | Selbstkosten | Nettopreis |
|---|---|---|
| Auszubildender | 940,39 € | 1.175,49 € |
| Geselle | 1.208,78 € | 1.510,98 € |
| Meister | 1.317,79 € | 1.647,24 € |
Mit dem Azubi-Satz wird das Angebot um 335,49 € oder 22 % billiger, mit dem Meistersatz um 136,26 € teurer. Sinnvoll ist es deshalb, Angebote mit Gesellen- oder Meistersatz zu kalkulieren, auch wenn Auszubildende mitarbeiten: Ein Azubi braucht länger und muss betreut werden – sein niedrigerer Lohn gleicht das aus.
Übrigens: Weil die Gemeinkosten auf den Durchschnittslohn gerechnet werden, zeigt manches Programm bei Azubi-Stunden einen scheinbar höheren Gemeinkostenzuschlag an – hier wären es 239,83 € auf 252,45 € Lohn, also 95 % statt 45 %. Das ist kein Fehler, sondern nur eine andere Bezugsgröße.
Wagnis und Gewinn: Wie viel davon ist echt?
Im Beispiel stehen 25 % Wagnis und Gewinn – mehr als die 3–15 %, die Lehrbücher meist nennen. Das kann stimmen. Es kann aber auch heißen, dass die Gemeinkostenzuschläge zu knapp eingestellt sind und der Gewinnzuschlag einen Teil der Kosten mitträgt. Angenommen, die Jahreszahlen zeigen echte Gemeinkosten von 80 % statt 45 %:
- Material inkl. Gemeinkosten
- Bruttolohn
- Lohnnebenkosten
- Gemeinkosten
- Maschinen
- Wagnis & Gewinn
| Baustein | Programm | Echte Kosten |
|---|---|---|
| Gemeinkosten Lohn45 % bzw. 80 % vom Durchschnitts-Mittellohn II | 239,83 € | 426,36 € |
| Selbstkosten | 1.208,78 € | 1.395,31 € |
| Wagnis und Gewinn | 302,20 € | 115,67 € |
| Gewinnsatz auf die Selbstkosten | 25,0 % | 8,3 % |
| Nettopreis | 1.510,98 € | 1.510,98 € |
Der Kunde zahlt in beiden Fällen dasselbe – echter Gewinn wären aber nur 8,3 %. Gefährlich wird das bei Nachlässen: Mit 10 % Rabatt (1.359,88 €) zeigt das Programm noch 12,5 % Gewinn an, tatsächlich liegt der Auftrag 2,5 % unter den echten Selbstkosten.
So prüfst du deinen Zuschlag: Kosten für Werkstatt, Fahrzeuge und Büro eines Jahres – ohne Material, ohne die Löhne der Werkstattmitarbeiter und ohne die Maschinenkosten, die über die Maschinenzuschläge hereinkommen – geteilt durch (produktive Stunden × Durchschnitts-Mittellohn II). Das Ergebnis ist dein echter Gemeinkostenzuschlag. Liegt er deutlich über dem Wert im Programm, steckt ein Teil deines Gewinnzuschlags in den Gemeinkosten.
Schritt 5: Nachkalkulation
Nach dem Auftrag werden die gebuchten Stunden mit der Kalkulation verglichen. Im Beispiel haben Bankraum und Montage länger gedauert als geplant:
| Position | Soll | Ist | |
|---|---|---|---|
| Stunden je Kostenstelle | |||
| Arbeitsvorbereitung (CAD) | 1,00 h | 1,25 h | |
| Zuschnitt | 1,00 h | 0,75 h | |
| Kantenbearbeitung | 0,75 h | 0,75 h | |
| CNC-Bearbeitung | 1,00 h | 1,00 h | |
| Bankraum | 6,00 h | 7,50 h | |
| Montage | 2,00 h | 2,50 h | |
| Fahrzeit | 1,00 h | 1,00 h | |
| Summe | 12,75 h | 14,75 h | |
| Ergebnis bei gleichem Preis | |||
| Selbstkosten | 1.208,78 € | 1.331,24 € | |
| Wagnis und Gewinn25,0 % geplant, 13,5 % erreicht | 302,20 € | 179,74 € | |
2 Stunden mehr – und von 25 % Gewinn bleiben 13,5 %. Solange im Programm noch keine Stunden gebucht sind, zeigt die Ist-Spalte übrigens einen riesigen Gewinn an, weil die Lohnkosten fehlen. Erst mit vollständiger Zeiterfassung wird der Vergleich aussagekräftig.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Mittellohn I oder II – womit sollte ich rechnen?
Beides funktioniert, solange der Gemeinkostenzuschlag zur Lohnbasis passt. Mit Mittellohn II stecken die Lohnnebenkosten schon im Stundenlohn, der Zuschlag deckt dann nur noch Werkstatt, Fahrzeuge und Büro – das ist übersichtlicher. Wer im Programm von Mittellohn I auf II umstellt oder umgekehrt, muss den Gemeinkostenzuschlag mit anpassen. Sonst fehlen die Lohnnebenkosten in der Kalkulation oder sie werden doppelt gerechnet.
Warum stehen hier 90 % Lohnnebenkosten, im Stundensatzrechner aber nur 20–40 %?
Weil Urlaub, Feiertage und Krankheit an verschiedenen Stellen stecken. Im Stundensatzrechner werden diese Tage von den Arbeitsstunden abgezogen, die Lohnnebenkosten enthalten dort nur Arbeitgeberanteile und Beiträge. Kalkulationsprogramme rechnen die bezahlten Ausfalltage dagegen meist in den Prozentsatz ein und kommen so auf 80–100 %. Beide Wege führen zum selben Ergebnis – kombinieren darf man sie aber nicht, sonst zählen Urlaub und Krankheit doppelt.
Warum werden Gemeinkosten und Maschinenzuschläge auf den Durchschnittslohn gerechnet?
Weil Werkstattmiete, Maschinen und Büro je Stunde gleich viel kosten, egal ob Meister oder Azubi arbeitet. Würde man die Gemeinkosten auf den Lohn der jeweiligen Gruppe beziehen, wären Azubi-Stunden plötzlich fast gemeinkostenfrei. Manche Programme zeigen bei Azubi-Stunden deshalb einen scheinbar höheren Gemeinkostenzuschlag an – das ist nur eine andere Bezugsgröße, kein Fehler.
Sind 25–30 % Wagnis und Gewinn zu viel?
Nicht unbedingt. Stammen die Gemeinkostenzuschläge aus den echten Jahreszahlen, ist alles darüber echter Gewinn – dann ist ein hoher Satz gut, solange der Markt die Preise trägt. Sind die Zuschläge dagegen geschätzt oder seit Jahren nicht angepasst, trägt der Gewinnzuschlag oft einen Teil der Gemeinkosten mit. Dann ist er kein Spielraum für Nachlässe, sondern Teil der Kosten.
Wie oft sollte ich die Sätze im Programm anpassen?
Mindestens einmal im Jahr mit dem Jahresabschluss, außerdem nach Lohnerhöhungen, größeren Investitionen oder einer neuen Miete. Veraltete Löhne oder Zuschläge lassen Kalkulation und tatsächliches Ergebnis schleichend auseinanderlaufen – die Nachkalkulation zeigt es meist als Erstes.
Weiterführend
Die drei Kalkulationsmethoden im Vergleich erklärt die Auftragskalkulation, den eigenen Stundensatz berechnet der Stundensatzrechner. Welche Programme so rechnen, zeigt die Übersicht Kalkulations- & Auftragssoftware, wie du den kalkulierten Preis am Markt einsetzt, der Artikel Preisgestaltung & Wirtschaftlichkeit.
Alle Werte sind frei gewählte Beispielwerte und keine Empfehlung für einen bestimmten Betrieb. Angaben ohne Gewähr.